Königin sucht Wohnung

Die Hornisse ist der „Falke unter den Wespen“. Ihr tiefes Brummen und die beträchtliche Größe flößen Respekt ein. Dabei ist sie viel scheuer und heimlicher, als die Wespen, die sich im Sommer um unsere Obstkuchen und Getränke tummeln. Noch besser: Die Hornisse vertilgt sogar Wespen, sie ist ein biologischer Schädlingsbekämpfer. Allerdings vergreift sie sich durchaus auch mal an Schmetterlingen, wie die Fotos von Heinz Hennekes belegen. Er schreibt uns: "Im Dachgiebel meines Wohnhauses leben seit Jahren Hornissen,  die sich da scheinbar sehr wohl fühlen. So gibt es im Sommer mitunter imposante Schauspiele im Garten. Besonders in der Blütezeit des Sommerflieders oder auch der Efeuwand lassen sich die Hornissen gut bei der Jagd nach anderen Insekten beobachten."

 

Bei den im Mai und Anfang Juni herumfliegenden Hornissen handelt es sich ausschließlich um Königinnen. Sie wurden im Herbst befruchtet und haben als einzige ihres Volkes den Winter überlebt. Nun brauchen sie eiweißhaltige Nahrung, damit ihre Eierstöcke aktiviert werden. Auch suchen sie nach Löchern und Spalten für den Aufbau eines neuen Hornissenstaates. Haben sie Wohnraum gefunden, beginnen sie aus morschem Holz und Speichel einen Stil zu formen und an diesen Wabenzellen zu bauen. In jede dieser Zellen legt die Königin  ein Ei, aus denen nach etwa 5 Tagen kleine Larven schlüpfen, die weitere 4 Wochen von ihr versorgt werden müssen. Daraus schlüpfen die ersten Arbeiterinnen.

 

Hornissen sind sozial lebende Tiere, die ein beachtliches Nest bauen, das in Hohlräumen aus kunstvoll aneinander geklebter Zellulose gebildet wird, etwa in großen Spechthöhlen und Astlöchern, aber auch in menschgemachten ‚Höhlen’ wie Nistkästen. Normale Vogelnistkästen sind allerdings für ein Hornissennest viel zu klein. Also beginnen die Hornissen bald, um den Kasten herum zu bauen. Das Foto von Willem Bronsema zeigt dies eindrucksvoll. Bei starkem Regen wird solch ein Nest schnell zerstört.

Besser ist es daher, Hornissen einen speziellen Hornissenkasten anzubieten, den man aus Holz selbst fertigen kann. An geeigneter, sonniger Stelle angebracht, etwa in Hecken der Feldflur oder an Waldrändern, ist die Chance groß, dass der Kasten im nächsten Jahr von den schwarzgelben Rittern angenommen und für einen Sommer lang zur ‚Burg’ wird.

Wer ein Hornissennest auf dem eigenen Grundstück findet, braucht zunächst einmal nichts zu befürchten. Es ist aber ratsam, sich nicht in der Einflugschneise des Nestes aufzuhalten und im näheren Umfeld nicht barfuß zu gehen, um nicht auf die Tiere zu treten. Falls die Hornissen ihr Nest an einem konfliktträchtigen Ort errichtet haben oder man zu den Allergikern zählt, sollte die Naturschutzbehörde eingeschaltet werden, die eine Ausnahmegenehmigung zur Umsiedlung des Nestes erteilen kann. Denn Hornissen stehen unter gesetzlichem Schutz. Auch der NABU hat Ansprechpartner, bei denen Sie sich Rat holen können. Außerdem halten wir Bauanleitungen für Hornissenkästen sowie fertige Kästen bereit.