Wildbienenbett im Bambusrohr

Im Blütenmonat Juni lassen sich Wildbienen besonders gut beobachten. Wir geben Tipps, wie man den wichtigen Bestäubern im eigenen Garten helfen kann.

 

 

 

Honigbienen und Hummeln, jeder kennt sie. Aber kaum jemand weiß, welche Vielfalt an pollensammelnden Insekten  sich außerdem noch in unserer Umgebung tummelt. In Deutschland gibt es 500 Wildbienenarten, zu denen übrigens die Hummeln auch gerechnet werden. Sie haben so spannende Namen wie Gehörnte Mauerbiene, Scherenbiene, Maskenbiene oder Frühlingspelzbiene.

 

 

Wildbienen leben allein (solitär), bilden also keine Staaten, sondern legen ihre Eier einzeln in leere Schneckenhäuser, hohle Pflanzenstängel, morsches Holz oder einfach in die Erde.  Dann tragen sie Pollen als Proviant ein, deckeln die Brutkammer zu und überlassen der Sonne alles weitere. Und ganz nebenbei sorgen sie auch noch für die Bestäubung unzähliger Blühpflanzen.

 

In unserer intensiv genutzten Landschaft haben die Wildbienen es zunehmend schwer, geeignete Niststandorte zu finden. Es gibt immer weniger artenreiche, blühende Wald- und Feldraine. Straßen- und Gewässerränder werden oft zu früh gemäht, Brachflächen wieder in Nutzung genommen.

 

Die meisten Arten sind hoch spezialisiert auf bestimmte Pflanzen und Niststandorte, aber einige kann man erfolgreich im eigenen Garten fördern und beobachten. Inzwischen werden zahlreiche Nisthilfen für Insekten angeboten, nicht alle sind wirklich geeignet. Mit wenigen Handgriffen lassen sich solche Nisthilfen auch selbst herstellen. Bewährt hat es sich, abgelagertes Hartholz in Lochgrößen von 3 – 6 mm Durchmesser anzubohren. Dabei sollte am besten quer zur Faser gebohrt werden, also von der Seite, an der die Rinde gesessen hat, denn ursprünglich nisten die Wildbienen in Bohrgängen, die vorher von Holzwespen seitlich in einen stehenden, toten Baum gebohrt wurden. Wenn man sich das Bild vor Augen hält, versteht man leichter, was gemeint ist. Die Löcher von 5 – 10 cm Tiefe sollten dann vom Holzmehl befreit und die Oberfläche sorgfältig geglättet werden, sonst zerfetzen sich die Tiere beim Hinein- und Hinauskriechen die Flügel oder sie nehmen die Löcher gar nicht erst an. Die Nisthilfen hängt man sonnig, wind- und regengeschützt auf, bevorzugt an einer Hauswand, damit sie nicht hin- und herschwingen.

 

Arten, die hohle Stängel als Nisträume aufsuchen, freuen sich über gebündelte Bambusstücke. Hierfür nimmt man Bambusrohr aus dem Baumarkt mit einem Innendurchmesser von 3 – 9 mm, das jeweils hinter den Knoten abgesägt wird, damit die Röhrchen hinten geschlossen sind. Andernfalls kann man sie auch mit Watte oder Leinölkitt verschließen. Eventuell vorhandenes Mark wird herausgekratzt und eine glatte Innenwand geschaffen. Einige Arten, wie Scheren- und Löcherbiene, entfernen das Mark auch selbst. Die so vorbereiteten 9 – 20 cm lange Bambusstücke (Länge in Abhängigkeit von der Dicke) können einzeln in die Löcher von Lochziegeln gesteckt oder in Kunststoffrohren oder Konservendosen gebündelt werden .

 

Auch Schilfrohre können gebündelt zum Einsatz kommen. Sie sollten zum Schutz gegen Spechte und Meisen mit einem Maschendraht geschützt werden, der 5-10 cm vor der Nisthilfe angebracht wird. Um schnell viele Hohlräume zu schaffen, kann man Schilfmatten (Baumarkt) mit einer scharfen Schere in 30 cm breite Streifen schneiden und einrollen. Dabei sollten die Halme möglichst nicht gequetscht werden.

 

Hervorragende Nistplätze bieten abgestorbene Äste von Obstbäumen oder Holzstapel aus morschen Stammstücken an einem nicht zu schattigen Platz. Hier stellen sich vielleicht die Wald-Pelzbiene oder die Blauschwarze Holzbiene ein. Senkrecht stehende hohle Stängel von abgeblühten Brombeeren und Königskerzen werden u.a. von der Stängel-Mauerbiene angenommen.

 

Voraussetzung für jede erfolgreiche Besiedlung ist ein gutes Pollenangebot. Und hier hat der Gärtner die Qual der Wahl, denn es gibt unzählige attraktive Stauden, die auch für Wildbienen von hohem Wert sind.

 

Im Staudenbeet eignen sich Malven, Goldschafgarbe,  Färberkamille, Ochsenauge, Gefleckte Taubnessel, Heilziest und alle Arten von Glockenblumen. Letztere werden bei einigen Arten gern als Schlafplatz genutzt.

 

Im Kräuterbeet sind Lippenblütler wie Muskateller-Salbei, Zitronenthymian und Bergbohnenkraut besonders begehrt. Wenn man Zwiebeln und Küchenlauch erblühen lässt, freuen sich die Maskenbienen.

 

Besonders beliebt bei vielen Wildbienenarten sind blühende Steingärten. Hier gelten Edel-Gamander, Fetthenne, Sedum-Arten, Hauhechel, Wollziest, Blaukissen und Steinkraut (Allyssum) als gute Pollenspender. Zudem ist ein Steingarten pflegeleicht, denn auf magerem, trockenem Untergrund bleiben unerwünschte, wuchernde Begleitkräuter meistens aus.

 

Selbstverständlich sollte in einem wildbienenfreundlichen Garten auf Herbizide und auf insektenvernichtende Lampen verzichtet werden.

 

 

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Wichtige Hummelpflanzen im Überblick
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