Auch Nutrias brauchen Elterntierschutz

Die niedersächsische Landesregierung erlaubt seit April 2018 die ganzjährige Jagd auf Nutrias. Der NABU fordert statt dessen die Erarbeitung eines Managementplans. Nutrias sind inzwischen fest bei uns eingebürgert, wir müssen mit ihnen leben. Dürfen sie ganzjährig bejagt werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Elterntiere geschossen werden und die noch unselbstständigen Jungtiere dann elends umkommen. Das wäre ein Verstoß gegen den Elterntierschutz.

Die Aufhebung der Schonzeit wurde mit den gestiegenen Gefahren des Deich- und Hochwasserschutzes durch die zunehmende Verbreitung der Nutria gerechtfertigt. Allerdings führen vermehrte Starkregenereignisse, veränderte Klimabedingungen und intensive Nutzung angrenzender Gewässerbereiche ebenfalls zu einem erhöhten Sanierungs- und Reparaturbedarf von Deich- und Uferbereichen. Man kann die steigenden Kosten für die Unterhaltung der Deiche nicht nur den Nutrias zuschreiben.

Ursprünglich stammt die Nutria aus Südamerika, wo sie in den subtropischen und gemäßigten Klimazonen an Flüssen, Seen, Teichen und Sümpfen lebt. Wegen ihres Felles wurde sie in Pelztierfarmen gezüchtet. Vor allem seit dem 20. Jahrhundert, als der Pelztiermarkt zusammenbrach und zahlreiche Tiere entkamen bzw. ausgesetzt wurden, hat sich der Bestand der Nutrias in Europa stark vermehrt.  In Deutschland sind die Nagetiere in allen Bundesländern zu finden. Je nach lokalen Begebenheiten leben Nutrias in Schilfnestern oder graben Höhlen in Uferböschungen.

 

Der NABU fordert nun statt einer ganzjährigen Bejagung einen Managementplan zur Populationskontrolle der Nutria-Bestände, so wie es auch die EU-Verordnung zu den invasiven Arten vorsieht. Dieser sollte ebenfalls einen Forschungsauftrag über die Feststellung der Setz- und Aufzuchtzeiten der Nutria enthalten, da hier zur Zeit noch erhebliche Wissenslücken bestehen. Ebenso sollte eine Erfassung erfolgen, welche Ufer- und Deichbereiche von Nutria besonders betroffen sind, welche erfolgreichen, tierschutzgerechten Konzepte zur Eindämmung bisher durchgeführt wurden und welche Maßnahmen aufgrund bisheriger Erfahrung nicht zielführend sind. Die Anordnung einer Jagd darf sich nicht allein an der Größe einer Nutriapopulation oder deren Wachstum orientieren, sondern muss den Nachweis einer erheblichen Schädigung in dem Bereich durch eine örtliche Population zugrunde legen.