Der Harlekin unter den Wildvögeln

Zeichnung: Simon Sänger
Zeichnung: Simon Sänger

Immer wieder erhält der NABU Anrufe mit Nachfragen, was das denn für ein exotischer Vogel sei, so auffällig gefärbt und mit so einer – pardon – hässlichen Stimme. Die Nilgans ist zwar fest eingebürgert, aber noch wenig bekannt. Tauchen Sie ein in die Nilgans-Welt und erfahren Sie mehr über diesen exotisch aussehenden Wildvogel.

 

In Deutschland hält sich Nilgänse in vielen Parks auf. Noch weniger beliebt als ihr lauter Ruf ist der viele Kot den sie hinterlassen. Auch im schönen Emsland ist die Nilgans häufig im Ems- und Hasetal anzutreffen. Durch ihr Federkleid, welches aus einem Mix aus roten, grünen und bräunlichen Tönen besteht, ist der Wildvogel hier in Deutschland sehr auffällig. Der braune Fleck ums Auge und die roten langen Beine, mit denen die Nilgans herumstolziert wie ein Harlekin, sind ein großer Wiedererkennungseffekt. Weiße sich mit schwarz abwechselnde Farbfelder der Flügel sind zu erkennen, wenn sich der Vogel in die Lüfte begibt. Ihr Ruf ist ein lautes Gackern. Egal wie seltsam die Stimme sich auch anhören mag, das Aussehen scheint doch ganz passabel.

 

Aber woher kommt nun dieser seltsame Genosse? Sie stammt ursprünglich aus Afrika und ihre natürliche Verbreitung zieht sich bis zu Oberägypten hin. In England wurde sie als Ziervogel gehalten. Ob sie sich dann im 17. Jahrhundert auf natürliche Weise in Europa ausgebreitet hat, ist unklar.

 

Zudem gehört sie zu den Kurzstreckenziehern, d.h. sie fliegt im Winter nicht weiter als 2000 Kilometer um zu überwintern. Jedoch hat sie das in milden Wintern gar nicht nötig, denn sie ist wenig kälteempfindlich durch ihr warmes Gefieder. Die starke Zunahme der Nilgans-Brutbestände in Europa führen nicht nur auf ihr gutes Anpassungsvermögen zurück, sondern auch auf die Verbreitung von Agrarflächen und nährstoffreichen Feuchtgebieten.

 

Jäger befürworten die Jagd auf den Neubürger. Sie ist leicht zu erkennen und kann nicht mit geschützten Wildgans-Arten verwechselt werden. Naturschützer beurteilen die Bejagung eher kritisch, zumal es keine Beweise dafür gibt, dass die Nilgans andere Vogelarten verdrängt. Aufgrund der deutlichen Verbreitung der Nilgans wurde sie mit in die Unionsliste der EU aufgenommen. Somit steht der Wildvogel unter Beobachtung. Vom ersten August bis zum 15. Januar in Niedersachsen darf sie dennoch gejagt werden.

 

Aggressiv wird die Nilgans in der Brutzeit, da sie ihr Revier gegen Artgenossen verteidigt. Zum Beispiel ist die Stockente eine große Rivalin der Nilgans. Diese ist jedoch nicht im Bestand bedroht, da sie in ebenfalls in Siedlungsgebieten vorkommt und dort sogar häufig von Spaziergängern oder Anwohnern gefüttert wird.

 

 

Ein Beitrag von Marilyn-Luise Utke