Gelb, gelber, Jakobskreuzkraut

Durch seine leuchtend gelben Blüten ist das Jakobskreuzkraut meist kaum zu übersehen. Auch in der Medienlandschaft wird das „gelbe Monster“ gehypt, jedoch im negativen Sinne. Irrationale Behauptungen werden verbreitet. Es sei absolut gefährlich für Mensch und Tier, da der toxische Stoff im Honig sowie auch im Heu allzu häufig vorkomme. Bleiben wir doch mal auf dem Boden der Tatsachen und schauen uns das Kraut genauer an.

Das Jakobskreuzkraut oder auch Jakobs-Greiskraut gehört zu der Familie der Korbblütler und ist in der Regel zweijährig. Anfangs hat es leuchtend gelbe Blüten und produziert nachher Samen mit einem Schirm aus feinen Haaren, vergleichbar mit den Samen einer Pusteblume. Meist kommt das Kraut in Brachen, Straßenrandböschungen, an Bahndämmen und auf Extensivweiden vor. Zudem gehört es zu der ursprünglich heimischen Flora. Weshalb es sich aber in den letzten Jahren so rapide ausgebreitet hat, ist unklar. Eine Theorie ist das beinahe Aussterben seiner Fressfeinde, wie dem Karminbär. Die schwarz-gelb geringelten Raupen, des schönen schwarz-roten Schmetterlings, ernähren sich vom Kraut und schädigen es somit. Warum dieser Fressfeind ausstirbt, könnte man durch die Verbreitung von Pestiziden begründen. 

Kommen wir zu dem spannendsten Teil: Die Giftigkeit


Wie einige andere heimische Pflanzen, z.B. der als Küchenkraut verwendete Borretsch, beinhaltet das Jakobskreuzkraut  toxische Pyrrolizidinalkaloide, kurz PA. Es kommt in Ausnahmefällen zu (tödlichen) Leberschäden, wenn es in einem zu hohen Maße eingenommen wird. Aufgrund des bitteren Geschmacks wird das Kraut von Weidetieren eher gemieden. Falls es aber ins Heu gelangen sollte, verliert es an bitterem Geschmack, jedoch nicht an seiner toxischen Wirkung. Aus diesem Grund sollten Weidetierhalter genauestens darauf achten, dass das Jakobskreuzkraut nicht ins Heu gelangt.
 
Wie sieht es mit unserem Honig aus? Die Bienen fliegen nur dann das Jakobskreuzkraut an, wenn es keine Alternativen gibt. Manche Imker schleudern den Honig auch vor der Blütezeit des Krauts ab (überlassen den Sommer-Honig den Bienen) oder stellen ihre Bienenstöcke erst gar nicht in die Nähe dieser Pflanze. Außerdem existiert zwar ein empfohlener PA-Grenzwert vom Bundesinstitut für Risikobewertung, nicht aber ein PA-Grenzwert auf nationaler oder internationaler Ebene. Vorsicht jedoch vor der Beimischung von Rohhonig aus Amerika oder Asien, da der PA-Wert dort sehr hoch ist.

 

Das Bundeslandwirtschaftsministerium rät von der Bekämpfung des Jakobskreuzkrauts in Deutschland ab. Es wurden schon unsinnige Initiativen ergriffen, bei denen das Kraut ohne Sachverstand massenhaft abgetragen wurde. Wenn das Kraut ausgerissen wird, werden auch viele andere Lebewesen in Mitleidenschaft gezogen z.B. vier Flohkäferarten der Gattung Longitarsus und unzählige andere Insekten (wie Ameisen).


Fazit: Keinen Bammel vor dem Jakobskreuzkraut. Es beeinflusst, in dieser Form wie es heutzutage vorkommt, Mensch und Tier eher weniger (solange es nicht ins Futter hineinkommt). Die Debatten in manchen Medien erscheinen bei genauerem Hinsehen oft übertrieben. Eher sollte die Gefahr, die von Pestiziden ausgeht, umfangreich debattiert werden. Oft ist gerade die Natur Opfer des Menschen, als andersherum…

Ein Beitrag von Marilyn-Luise Utke

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