Moorbrand: Mondlandschaft droht

Nach dem nun schon wochenlang lodernden Brand im Naturschutzgebiet Tinner/Staverner Dose wird nichts mehr so sein wie vorher. Durch das Eindringen der Hitze in die tieferen Schichten entsteht auf Jahre oder Jahrzehnte eine Mondlandschaft. Wurzelbereiche und Samenreservoire seltener und geschützter Pflanzen sind zerstört, ebenso die Entwicklungsstadien unzähliger Insekten. Reptilien und Amphibien wie Kreuzotter, Schlingnatter und Kreuzkröte sind zu Hunderten den Flammen zum Opfer gefallen. Das Archivfoto zeigt verkohlte Flächen in der Tinner Dose nach einem kleinen Brand in einem der letzten Sommer, der sofort gelöscht werden konnte. Mit der derzeitigen Brandkatastrophe ist jedoch eine neue Dimension erreicht.

 

Wir befürchten, dass die artenreiche Moorheide, die hier vorher das Gelände bedeckte,  sich nicht wieder regenerieren kann und wir statt dessen Moordegenerationsstadien mit wenigen Pflanzenarten erhalten, vergleichbar mit der Situation auf Abtorfungsflächen. Auch der Einsatz von nitrathaltigem Löschwasser aus der Radde fördert eher Allerweltsarten und steht der Regeneration der hochspezialisierten Moorflora entgegen. Bestenfalls kann man erwarten, dass das Feuer zu Sackungen führt und sich einige Flachseen bilden, in denen sich auf längere Sicht wieder Torfmoosschwingrasen entwickeln könnten.

 

Immens ist der Schaden für das Klima. Nach vorsichtigen Berechnungen sind schon jetzt über 500.000 Tonnen CO2 in die Atmosphäre gelangt. Um das auszugleichen, müsste eine Stadt wie Emden ein Jahr lang auf das Heizen verzichten.

 

Auch für die Anwohner ist das Feuer eine große Belastung. Zu der wochenlangen Geruchsbelästigung kommt der erhöhte Feinstaubgehalt der Atemluft hinzu sowie ein ganzes Cocktail weiterer gesundheitsgefährdender und zum Teil krebserregender Stoffe wie PAKs (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), die beim Verbrennen von organischen Substanzen entstehen. Genau deswegen darf man als Gartenbesitzer nämlich keine Grünabfälle oder schlecht getrocknetes Holz verbrennen!

 

Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Es ist zwar zu erwarten, dass spätestens nach ausgiebigen Regenfällen im Oktober die Feuer oberflächlich gelöscht sein werden. Das heißt aber noch lange nicht, dass dann die unterirdischen Brandherde vollständig erloschen sind. Der Moorkundler Frank Edom, der sich ausführlich mit den russischen Moorbränden beschäftigt hat, schreibt uns: "Die Pyrolyse ... verläuft auch ohne Sauerstoffzufuhr weiter, so dass bei geeigneten Bedingungen (Trockenheit, Wärme) die Brandherde nach einigen Wochen bis Monaten wieder ausbrechen können. In Russland haben in den letzten Jahren solche Brandherde mehrfach überwintert und haben im Frühjahr wieder angefangen."

 

Was jetzt nötig ist: Wasser, Wasser, Wasser! Das Moor muss regelrecht durchtränkt werden. Wir fordern, dass sich das Wassermanagement in Zukunft noch stärker an den Erfordernissen des Natur- und Klimaschutzes orientiert. Auf anderen Flächen der Bundeswehr, z.B. dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr, kann man sehen, dass nasse Moore und ein geordneter Übungsbetrieb keine Gegensätze sind.

 

Bildergalerie des NABU Emsland - Mitte zum NSG Tinner/Sprakeler Dose

 

Pressemitteilung des NABU Niedersachsen

 

Pressemitteilung des NABU Bundesverbandes

 

Ansprechpartner beim NABU Bundesverband:

Felix Grützmacher, Referent für Moorschutz

Telefon  030-28 49 84-16 22

Mobil  0173 16 72 29 1
Anprechpartner beim NABU Werlte / Sögel:
Hermann Brinker, 1. Vorsitzender

Telefon  05951-1333

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