Fliegende Edelsteine unter der Lupe

Am Samstag den 18. Mai haben sich 17 interessierte Libellenfreunde um Dr. Hans Michael Trautnitz am Parkplatz des Geester Speicherbecken getroffen, um gemeinsam im Rahmen einer zweistündigen Exkursion in die Welt der Libellen einzutauchen. Bei klarem Himmel, Sonnenschein und 20 Grad, stehen bereits um 10.30 Uhr die Chancen recht gut auf einige Exemplare zu stoßen.

 

Zu Beginn standen aber erstmal ein paar grundlegende Informationen auf dem Programm. Mit Buch und Bild klärte Dr. Hans Michael Trautnitz, der selbst über die Fotografie zu diesen Tieren gefunden hat, die Teilnehmer über Lebensweise, Körperbau sowie Fress- und Paarungsverhalten auf. Dazu gab es noch eine kurze Zeitreise 300 Millionen Jahre zurück in die Karbonzeit. Hier begann das Zeitalter der Insekten und damit auch das der Libellen. Mit Körpergrößen von bis zu 70 cm summten die ersten Fluginsekten über diesen Planeten. Es gibt zwar durchaus immer noch recht imposante Vertreter dieser Insektenfamilie, durch den sinkenden Sauerstoffgehalt im Laufe der Zeit haben sie sich allerdings auf ein kompakteres Maß anpassen müssen.

 

Ob Anfänger oder bereits fortgeschrittener Libellenfan,  jetzt waren alle gespannt ein paar Tiere zu Gesicht zu bekommen. Ausgerüstet mit Petrischale und Fangnetz ging es runter an den kleinen Flusslauf des Biotops. Kaum angekommen, ließen sich die ersten Libellen auch schon blicken, und Michael Trautnitz konnte das erste Exemplar mit dem Fangnetz erwischen. Mit Vorsicht schob er nun eine Petrischale von unten durch das Netz und erklärte, dass Libellen zum eigenen Schutz instinktiv nach oben fliegen, weshalb es am einfachsten und für die Tiere am stressfreiesten ist, diese von unten mit der Petrischale einzusammeln. Das erste Exemplar, ein Männchen der gebänderten Prachtlibelle, erwies dem Namen der Exkursion „Fliegende Edelsteine am See“ gleich alle Ehre. Mit schillernd dunkel-blaugrün gefärbtem Körper beeindruckte es gleich alle Teilnehmer.

 

Nach kurzer Besichtigung in der Runde ging es dann aber auch schnell wieder zurück in die Freiheit. Den Fokus erst einmal auf Libellen gelegt, folgten schon bald die nächsten Exemplare wie Fledermaus-Azurjungfer, große Pechlibelle und der beeindruckende Frühe Schilfjäger welcher als mitunter erste Großlibelle im Frühling erscheint und mit einer Körpergröße von bis zu 6,5 cm schon sehr stattlich erscheint. Das Schlusslicht der Exkursion war dann noch die frühe Adonislibelle und zeigte sich in strahlend rot-schwarzem Gewand. Dankbar für die tolle Führung verabschiedeten sich nun die Teilnehmer und ich selbst war auch überaus froh, an diesem interessanten Vormittag teilgenommen zu haben.

 

 

Das habe ich mitgenommen

 

Als sowieso schon großer Insektenfan war es für mich sehr spannend, etwas tiefer in das oft unscheinbare Leben der Libellen einzutauchen und viel über ihre komplexe Welt zu lernen. Zusätzlich dazu sind Libellen mit ihrer Farbvielfalt ein tolles Motiv für Naturfotografien, weshalb ich jetzt wohl öfter mit der Kamera im Gepäck zum Geester Speichersee fahren werde.

 

Abschließend möchte ich noch ein paar „nice to knows“ über Libellen verraten die mich besonders beeindruckt haben:

 

Libellen…

 

  …haben eine Knitterstruktur in den Flügeln ähnlich einer Wellpappe, welche dem Flügel Stabilität gibt und so robust gegen Wind, Wetter und Fressfeinde macht.

 

…finden sich zur Paarung zu einem so genannten Tandem zusammen, die Eiablage findet ausschließlich im Wasser statt.

        Es gibt sogar Greifvögel wie den Baumfalken, die sich auf die Jagd von Libellen spezialisiert haben!

 

 

Bericht und Fotos: Jan Kiesewetter