Wenn die Nacht zum Tage wird

Motten, die  an der Außenleuchte  verschmoren, Zugvögel, die die Orientierung verlieren und Menschen, die den Sternenhimmel nicht mehr sehen können. Licht übt eine starke Wirkung aus, indem es vielfältig in unsere Biologie eingreift.


Insekten sind besonders stark betroffen und der Faktor Beleuchtung spielt auch bei dem alarmierenden Insektensterben der letzten Jahre durchaus eine Rolle. Von der Gruppe der Nachtschmetterlinge ist ja bekannt, dass sie geradezu magisch von Lichtquellen angezogen werde. Bis zu 450 Insekten pro Leuchte und Nacht fliegen sich nach Angaben in wissenschaftlichen Untersuchungen zu Tode. Allerdings gibt es auch Tiere, die vom Insektenanflug an Lichtquellen profitieren: Spinnen, die ihre Netze im Lichtkegel der Lampen aufhängen, Fledermäuse, die im Umkreis der Leuchten jagen, und auch Vögel und Raubinsekten wie Laufkäfer, die am Boden unter den Leuchten jeden Morgen einen reich gedeckten Tisch an toten und ermatteten Insekten finden.

Die mobilen Strahlkegel von Skybeamern, z.B. über Diskotheken, können Störungen des Vogelzuges hervorrufen. So wie Insekten in den Strahlkegel einer einzelnen Leuchte gebannt werden, werden ziehende Vögel von der Lichtglocke über den Städten eingefangen, aus der sie nur schwer wieder entweichen können. Vielfach soll dies erst beim Nachlassen der Lichtintensität in den frühen Morgenstunden gelingen. Schlagzeilen machte ein Fall, bei dem Kranichschwärme in Hessen wegen Erschöpfung im Umfeld von Skybeamern notlanden mussten, wobei zahlreiche Tiere zu Tode kamen.

Insektenfreundliche Beleuchtung ist vor allem ein Thema für Kommunen: Städte reichen mit ihren Lichterglocken viele Kilometer weit in das Umland und hellen dort noch den Himmel auf. Tausende Lichtkörper locken zudem Insekten an. Hier kann viel getan werden: So wurde an den UV-armen Natriumdampf-Hochdrucklampen ein um 55 % geringerer Insektenanflug gegenüber den UV-haltigen Quecksilberdampf-Hochdrucklampen mit weißem Licht gemessen. Für die Nachtschmetterlinge reduzierte sich dieser Rückgang noch einmal deutlich auf 75 %. Der NABU hatte dazu in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt bundesweit ein Projekt aufgelegt und Kommunen bei der Umrüstung unterstützt. Aber auch im privaten Bereich wird die Beleuchtung dank preisgünstig angebotener Leuchten immer bedeutsamer. Jeder Einzelne kann etwas tun, um unnötige oder schädliche Beleuchtung zu reduzieren. Hier eine kurze Checkliste:

Ist Licht überhaupt notwendig?
Muss unbedingt alles erleuchtet werden, dient es der Sicherheit?

Wieviel Licht ist notwendig, welche Leuchtkörper sind sinnvoll?
Reicht eine Lampe mit geringerer Leistung (Watt)? Möglichst Energiesparlampen oder LED einsetzen. Das reduziert den Energieverbrauch und spart Geld ein.

Auf gezielt gerichtetes Licht achten, Leuchten abschirmen!
Nur das zu beleuchtende Objekt sollte angestrahlt werden, die Lichtquelle darf nicht blenden! Kugelleuchten, die in alle Richtungen strahlen, sind Energieverschwender, sie blenden und liefern keine sinnvolle Beleuchtung.  
Viele Leuchten lenken das Licht in den Himmel. Dort wird es gestreut und wirkt weit in die Umgebung. Besonders das nahe der Horizontalen ausgeschickte Licht streut weit in die Landschaft hinaus, daher sollten Leuchten gut ausgerichtet und abgeschirmt sein!

Wann und wie lange ist Licht notwendig?
Kein Dauerlicht an Haus oder im Garten, ein Bewegungsmelder hilft Energie sparen und bietet noch mehr Sicherheit! Dauerhaft leuchtendes Licht wirkt kaum abschreckend auf Einbrecher, sie können sich sogar viel besser auf die Situation einstellen!

Bei Dunkelheit Rollos oder Vorhänge schließen!
Das spart in der kalten Jahreszeit auch noch Wärmeenergie!

Der NABU befasst sich in einer Kooperation mit der Sternwarte Neuenhaus mit der Störwirkung von Licht in der Natur und bietet dazu am 13. November um 20 Uhr einen Vortragsabend an. Uwe Dulle von der Sternwarte wird zum Thema referieren, danach besteht die Möglichkeit, die Ausstellung „Umweltfreundliche Stadtbeleuchtung“ des NABU anzusehen und Himmelsbeobachtungen durch das Teleskop vorzunehmen. Bei guter Sicht können Planeten, Nebel und Galaxien beobachtet werden. Die Veranstaltung findet der Sternwarte Neuenhaus, Veldhausener Straße 46 statt. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 5 €, für Kinder 2 €. Der Erlös kommt den Artenschutzprojekten des NABU zugute.

Foto:

Max Lohrberg: Igelstacheln im Dunkeln